Gutenberg und SEO

Die Einführung des neuen Block-Editors Gutenberg mit dem Update von WordPress auf Version 5.0 hat viel Unsicherheit in der WordPress-Szene verbreitet. Die Bewertungen sind wenig zufriedenstellend. Die Ablehnung ist sogar so groß, dass sich mit ClassicPress ein eigener Zweig aus WordPress heraus entwickelt. Ist Gutenberg wirklich so schlecht? Wir sagen „nein“und zeigen Neun Gründe, warum Gutenberg aus SEO-Sicht Potential hat.

Das Wichtigste

Gutenberg steht für für Wandel, der fällig ist. Denn wir leben heute in einer Zeit, die von schnellen Veränderungen geprägt ist. Was heute noch galt, ist morgen schon obsolet. Nicht umsonst setzen sich agile Methoden und Lean Management durch. Nur wer Ballast abwirft und sich auf Wesentliches konzentriert, wird mit der schnellen Entwicklung mithalten können. Genau an dieser Stelle setzt Gutenberg an.

Im Januar 2019  hielt Jessica Lyschik, Webentwicklerin und Verfasserin der Gutenberg-Fibel www.gutenberg-fibel.de mehrere interessante Vorträge zu dem neuen WordPress Editor.  Hier konnten wir uns auch mit anderen Gutenberg-Anwendern austauschen. Schon jetzt liegen eine Reihe von Vorteilen auf der Hand, die Gutenberg gerade aus SEO-Sicht mit sich bringt.


Worum geht es bei SEO?

Diese Frage kann nicht in einem Abschnitt beantwortet werden, aber wichtig ist folgender Punkt. Beim SEO wird der Inhalt einer Website einerseits für die Nutzer und andererseits auch für Suchmaschinen optimiert. Eine Suchmaschine ist kein Firmenkatalog, der eine Liste von Einträgen enthält. Es geht um „Suche“, also um die Suchintensionen der Nutzer. Eine Suche erfordert Antworten. Bei SEO geht es um die Relevanz der Antworten (Inhalte) auf die Suchanfrage der Nutzer.


Was heißt das für Webseitenbetreiber?

Liefere auf Deiner Website relevante Antworten auf Fragen Deiner Nutzer. Damit Dir das gut gelingt, musst Du Deine Zielgruppe kennen und wissen, mit welcher Suchintension sie nach Deinem Angebot suchen. Lieferst Du die beste und relevanteste Antwort bist Du im Ranking ganz weit oben. Somit ist Deine Aufgabe als Webseitenbetreiber die Produktion von Inhalten. Ja richtig, Du produzierst Inhalte für Deine Nutzer, damit Du von denen gefunden wirst. Außerdem musst Du Dich gegen Deine Wettbewerber durchsetzen und das gelingt Dir, indem Du Inhalte lieferst. Deine Inhalte sollen dabei einzigartig sein, ausreichend im Umfang und erstklassig in der Qualität.


Neun Gründe, warum Gutenberg aus SEO-Sicht Potential hat

1. Produktion von Inhalten

Die ersten Erfahrungen mit Gutenberg haben gezeigt, dass sich Inhalte hervorragend schnell erzeugen lassen. Schreiben gelingt am Besten, wenn es fließt. Je weniger Du Dich dabei auf gestalterische Aspekte konzentrieren musst, desto besser werden Deine Inhalte. Du erfährst keine Ablenkung durch viel hin- und herklicken. Bei Gutenberg bekommst Du das Wesentliche in einer Oberfläche.

2. Struktur der Inhalte durch Überschriften

Die Struktur von Inhalten ist von großer Bedeutung, sowohl für die Crawler der Suchmaschine, als auch für Deine Nutzer. Strukturiere Deine Inhalte durch Überschriften und Nebenüberschriften, so wie bei einer fachlichen Publikation. Diese Regel scheint oft unterzugehen, denn viele Websites zeigen beim Durchlaufen eines SEO-Checks eine fehlerhafte Überschriftenstruktur. Mit Gutenberg kannst Du die Überschriftenstruktur schnell und einfach berücksichtigen, prüfen und bearbeiten. 

Gutenberg - Struktur der Überschriften ist gut ersichtlich
Überschriftenstruktur ist bei Gutenberg schnell ersichtlich.

3. Alt-Tags an Bildern

Deinen Text lockerst Du in der Regel mit Bildern und Infografiken auf. Damit Screenreader erkennen können, was die Darstellungen zeigen, werden die Bilddateien mit Alt-Tags versehen. Da das Bild einen Bezug zum Inhalt und somit zum Keyword hat, nutzen Crawler der Suchmaschinen diese Alt-Tags, um Relevanzsignale zu erhalten. Deshalb solltest Du unbedingt alle Bilder damit kennzeichnen. Bisher war es umständlich, die Alt-Tags zu hinterlegen. Dazu musste in der Medithek erst das entsprechende Bild gefunden werden, um es mit dem Alt-Tag auszuzeichnen.
Nun bietet Dir die Seitenleiste bei Gutenberg die Möglichkeit, die Alt-Tags an Bildern direkt zu hinterlegen. Hier kannst Du auch die Bildgröße kannst Du bequem anpassen. Daher ist Gutenberg an dieser Stelle eine echte Erleichterung.

4. Relevanzsignale auf einen Blick

Beim klassischen WordPress war der Permalink und der Seitentitel, sowie die Alt-Tags, die alle das Keyword enthalten sollten an separaten Stellen. Da war es manchmal schwer, den Überblick zu behalten.

Bei Gutenberg hast Du in einer Oberfläche alles, was Du hinterlegen musst, um Relevanz zu erzeugen. Das Keyword verwendest Du bei:

  • Permalink
  • Titel
  • Überschriften
  • Einleitungstext
  • Alt-Tags

Im restlichen Text verwendest Du das Keyword nur noch, wie es die natürliche Beantwortung der Suchintension erfordert. Hier spielst Du zusätzlich mit der Semantik rund um das Keyword.

5. Aufzählungen, Tabellen und Videos

Für ein besseres Verständnis Deines Inhalts arbeitest Du außerdem mit Aufzählungen und Tabellen. Diese Form der Darstellung von wichtigen Fakten schätzen nicht nur Deine Besucher, sondern auch die Suchmaschine. Mit Gutenberg hast Du dazu Plugins, welches Dir die entsprechenden Blöcke liefert. Auch das Einbinden von Blöcken mit Videos oder Podcasts stellen bei Gutenberg kein Problem dar. Wenn Du dann den gesprochenen Text des Videos als Transkription in einem weiteren Block unter das Video packst, lieferst Du der Suchmaschine weiteres Futter, um Deine Webseite richtig einzuordnen. Der Nutzer bekommt die Möglichkeit auszuwählen, ob er Deine interessanten Inhalte anhört oder diese liest. Damit erhöhst Du ganz nebenbei die User Experience.

6. Vorlagen

Die Blöcke in Deiner Formatierung kannst Du als Vorlagen hinterlegen und immer wieder auf Deinen Unterseiten verwenden. Somit entsteht eine Konsistenz, die bei Deinen Nutzern Vertrautheit schaffen. Fordert z.B. der immer selbe Call-2-Action Button regelmäßig (ohne nach Spam auszusehen) den Nutzer auf, etwas zu tun, manifestiert sich das beim Nutzer. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass der Nutzer in Aktion geht. Als Folge wächst die Conversion Deiner Website. Du erreichst öfter das Ziel, welches Du mit Deiner Website gesteckt hast. Sowohl Conversion als auch Conversion Rate Optimization (CRO) ist bei den meisten Webprojekten die eigentliche Motivation.

Musst Du die Vorlage ändern, z.B. weil A/B-Tests ergeben haben, dass der grüne Button eine bessere Conversion liefert, als der rote Button, so kannst Du diese Änderung global vornehmen.

7. Ladezeit

Bei Gutenberg geht es darum, einfach gute Inhalte zu produzieren. Der Inhalt steht klar im Fokus. Die Grundlage jeder SEO-Strategie lautet „Content is King“.

Je mehr Designelemente den Code aufblähen, umso mehr beeinträchtigt das die Ladegeschwindigkeit. Eine schnelle Ladezeit ist Grundlage für erfolgreiches SEO. Hier gilt „Fast is the only speed“. Du kannst natürlich mit Hilfe von GZIP, Browser Caching und CSS / Java-script Optimierungen eine schnellere Ladezeit erreichen. Aber warum soll ein überladenes Konstrukt in ein Korsett gepackt werden? Gutenberg liefert von Haus aus einen schlanken Code. Da fallen die wenigen Plugins für zusätzliche Schönheitskorrekturen kaum ins Gewicht. Überlege Dir generell, was Du alles im Standard abdecken kannst. Weniger ist manchmal mehr.

Meistens werden schwache Inhalte mit Designelementen aufgemotzt. Inhaltlicher Müll wird dadurch auch nicht besser. Was zählt, ist die Strahlkraft von hochwertigem Inhalt. Diese stehen für sich und brauchen daher kein blinky-blinky, wie Flip-Cards oder mächtige Slider.

8. Responsive Design

Der mobile First Index von Google fordert vorrangig die angepasste Darstellung von Websites auf mobilen Endgeräten. Somit rückt die Designfrage immer mehr in den Hintergrund. Es ist also schlichtweg nicht mehr sinnvoll, sich als Designer auf einer Spaltenbreite die ein Smartphone hergibt, auszutoben. Auf Smartphones sind Inhalte sowieso nur in untereinander angeordneten Blöcken dargestellt. Die Darstellung auf Tabletts ist dann nur noch eine Frage der Anpassung, die mit Gutenberg problemlos möglich ist.

9. Niedrige Einstiegsbarriere

Mit Gutenberg hast Du ein Baukastensystem und einen eigenen Zugriff auf deinen Server. Das ist gar nicht so selbstverständlich. Mit Jimdo und Wix haben sich Baukastensysteme durchgesetzt, bei denen der Anwender keinen Zugang zu einem eigenen Server hat. Dieses Fremdhosting schränkt aus SEO-Sicht bei der Optimierung ein. Trotzdem sind Baukastensysteme beliebt, weil Inhalte schnell, einfach und ansprechend ins Netz gestellt werden können.

Viele, die im Internet veröffentlichen, fahren die Strategie überhaupt keine Website zu benötigen. Für sie ist es ausreichend, alle relevanten Inhalte und Angebote über eigene Social-Media-Kanäle zu veröffentlichen. Das ist aus folgenden Gründen gut nachvollziehbar:

  • ohne großen Aufwand Inhalte produzieren
  • die Zielgruppe schnell und einfach erreichen

Dieses Modell hat aber auch Nachteile, da alle Inhalte ebenfalls bei Fremdanbietern liegen. Außerdem haben Social-Media-Profile keine Sichtbarkeit in Suchmaschinen. Allein aus diesem Grund ist eine eigene Webseite sinnvoll, wenn ein Business nachhaltig aufgebaut werden soll.

Durch den Block-Editor Gutenberg wird genau dieser Vorteil genutzt: Baukastensystem zur schnellen Erstellung der Inhalte bei gleichzeitigen Zugriff auf den eigenen Server zur besseren Suchmaschinenoptimierung. Somit ist die Hürde zum Einstieg als Webseitenbetreiber für eine nachhaltige Umsetzung der Ziele gegeben.
Obwohl der Einstieg leicht fällt, sollte Deine Seite trotzdem grundlegende Anforderungen erfüllen. So ist z.B. der Einsatz von https eines der wichtigen Kriterien für Google, denn Sicherheit geht vor. Lies dazu den Beitrag „WordPress auf https umstellen„.


Zusammenfassung

Auch wenn der neue Block-Editor Gutenberg noch die eine oder andere Kinderkrankheit hat, so zeichnen sich schon jetzt einige Vorteile ab. Es wird Weiterentwicklungen und Verbesserungen geben. In rasantem Tempo werden neue Blöcke, mit denen vieles möglich ist, wie Pilze aus dem Boden schießen. In Bezug auf SEO ist jetzt schon zu sehen, dass das, was wichtig ist, leichter umsetzbar ist.

Neun Punkte, warum Gutenberg und SEO ein gutes Team sind

  • Die Produktion von hochwertigen Inhalten wird vereinfacht.
  • Die Überschriftenstruktur kann einfach angelegt werden.
  • Bilder können leicht mit Alt-Tags versehen werden.
  • Alle Positionen zum Verwenden des Keywords sind in einer Ansicht zu sehen.
  • Aufzählungen, Tabellen und Videos können einfach über Blöcke eingefügt werden.
  • Ein Arbeiten mit Vorlagen, die globale Änderungen erlauben, ist möglich.
  • Ein schlanker Code sorgt für schnelle Performance.
  • Die Inhalte passen sich an mobile Endgeräte an.
  • Die Einstiegsbarrieren für eine eigene Website verringern sich.

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